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Der innere Kompass und die Gesprächstherapie

Viele meiner Klienten kommen erst in die Praxis, nachdem etwas Einschneidendes in ihrem Leben geschehen ist. Unfall, Todesfall, der Partner hat sich getrennt, die Arbeitsstelle wurde überraschend gekündigt. Das Ereignis selbst ist schlimm und kaum auszuhalten, aber was dann hinterherkommt ist oft noch viel schlimmer: Die Einsicht, dass sie sich getäuscht haben, dass sie einer Illusion aufgesessen sind.
Frank hatte all die Jahre geglaubt, er habe eine Anstellung auf Lebenszeit. Erst durch die Kündigung wurde ihm überhaupt klar, dass er die Überzeugung, „mein Arbeitsplatz ist sicher“, in sich getragen hatte. Jetzt hatte er keine Arbeit mehr und es wühlte in ihm der Ärger. Er warf sich selbst vor, naiv gewesen zu sein. „Wie blöd muss man sein, in diesem System irgendjemandem zu vertrauen?“ Jetzt ging es in seinem Kopf herum wie ein Mühlrad: Was hätte ich anders machen sollen, was hätte ich früher erkennen müssen etc. Das Karussell der Gefühle stand auch nicht mehr still. Wut, Hass, Trau…
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Nächstes Training beginnt im Oktober 2019

Living the Gestalt Fachausbildung zum Gestalttherapeuten Abschnitt I: Basistraining,  2 Jahre Abschnitt 2: Aufbautraining, 1 Jahr Separat buchbar
Ziel Teilnehmer erwerben hier alles was sie brauchen um psychotherapeutisch zu handeln, so wie Fritz und Lore Perls es für die Gestalttherapie entwickelt und praktiziert haben. Absolventen werden in der Lage sein, Menschen in schwierigen Situationen  aufzufangen, sie durch Engpässe zu begleiten und sie bei der Bewältigung von Sinnkrisen zu unterstützen. Sie werden lernen, Klienten zu beobachten und ihnen zuzuhören, damit sie verstehen was in ihrem Inneren vorgeht. Sie werden erfahren wie es ist wenn man sich auf sein Gegenüber einschwingt und wie aus Wissen und Intuition therapeutische Handlungskompetenz erwächst.
Ansatz Der Gestaltansatz führt zu einem grundsätzlich anderen Menschen- und Weltbild als der analytische Ansatz. Der Analytiker zerlegt das, worauf er sein Interesse richtet in immer kleinere Teile und glaubt, dass er es versteht wenn er e…

Mind the Gap

Mind the Gap!


„Mind the Gap“, das ist die Aufschrift an den Bahnsteigkanten der Londoner U-Bahn. „Beachte die Lücke zwischen Zug und Bahnsteig“. Eine unangenehme Vorstellung, da hineinzurutschen, aber ein gutes Bild für „The Gap“. Der Spalt, in den man unerwarteter Weise hineingerät. Die Lücke, in der das Unvorhersagbare passiert.
Der Weg von der Londoner U-Bahn bis zur Überschrift für eine unserer Trainings-Gruppen ist gar nicht so weit. Hier ist die Geschichte:
Es begann mit der Heilpraktikerausbildung in Stuttgart, vor mehr als zwei Jahrzehnten. In den ersten Jahren konzentrierten wir uns auf die reine Wissensvermittlung. Wir wollten unsere Kursteilnehmer für die Überprüfung beim Amtsarzt fit machen. Wir lernten bald, dass niemand erfolgreich eine Heilpraxis führt allein aufgrund theoretischer, medizinischer Kenntnisse und einer bestandenen Prüfung. Dazu brauchte es mehr.
Wir bauten in der Folge den Sektor Fachausbildungen aus mit Akupunktur, Shiatsu, Homöopathie, TCM etc.  Dennoch fe…

Wird leicht übersehen: Der soziale Ort eines Klienten

Alwin S. kam im Sommer 2015 zu mir, in einer Lebenskrise, wie er es selbst nannte. Seine Freundin hatte ihn vor kurzem verlassen. Auf der Arbeit gab es nur Stress und nach der Trennung wollte er sich eine neue, kleinere Wohnung  suchen. Diesen Zustandsbericht zu erarbeiten, nahm die gesamte erste Stunde in Anspruch. Am Ende der Sitzung war deutlich: Alwin erlebte dasselbe wie die überwiegende Mehrzahl aller Menschen, die sich in einer Lebenskrise befinden. Es stimmte in drei grundlegenden Bereichen nicht mehr: Beruf, Beziehung, Wohnung.

„Mein Ding mit den Frauen nervt mich total. Vor sechs Jahren bin ich nach fünfjähriger Ehe geschieden worden. Seitdem hatte ich drei oder vier Beziehungen, weiß gar nicht mehr genau. Ich scheine die Richtige einfach nicht zu finden. Oder vielleicht liegt es ja an mir selbst. Ich glaube ich bin beziehungsunfähig.“  
Diese Befürchtung oder diese Überzeugung bestimmte die Arbeit in den folgenden Sitzungen. Die Mutterbeziehung kam ins Bild. Erwartungen mu…

Was aus der Betrachtung der Biographien von Rogers und Perls folgt.

Nach dem Studium der Lebensläufe von Rogers und Perls fasste ich zusammen: „Wie das Leben, so die Therapie“. Aus dem wilden, wechselhaften Leben des Frederic Salomon Perls entsprang eine Therapie, in der es vor allem um Lebendigkeit geht. Aus der Erfahrung eines religiös orthodoxen Elternhauses entstand bei Carl Rogers der lebenslange Drang, sich für die freie Entfaltung des Denkens und Fühlens einzusetzen.
Von Künstlern wusste man schon immer, dass sich ihr Leben in ihrem Werk widerspiegelt. Wusste man, dass dies auch für die Begründer großer Therapieformen gilt? Bei den Vätern der Gestalt- und der Gesprächstherapie ließ sich das, glaube ich, gut zeigen.  Für andere bekannte Psychotherapeuten hat Gabriele Fürst-Pfeifer eine sehr umfassende und aufschlussreiche Arbeit vorgelegt: „Biographie und (un)bewusste Berufswahlmotive von Psychotherapeuten“. (München, Münster, Berlin, 2013).
Sie berichtet, dass Milton Erickson, „amerikanischer Psychiater und Psychotherapeut, der die Begründung …